Donnerstag, 30. Juli 2009

Beim Amt

Ein Ich, das anders ist als das Ich jetzt. Ein Still aus einem Projekt. Ich saß heute meiner "Fallmanagerin" gegenüber- eine sehr freundliche Frau- und sie fragte mich, wie ich die Chancen selber einschätze. Ich starre sie an, in mir kriecht ein Glucksen hoch, ich behalte es hinter meinen geschlossenen Lippen. Ich fühle mich bei dieser Frage leicht hysterisch und eine Stimme brüllt mein Gegenüber an: "Was glauben Sie denn, warum zum Teufel ich hier sitze????" Nun meine Chancen: Die 30 überschritten, stur wie ein Esel und immer in der Hoffnung auf die Wende. Ein übersprudelnder Topf an kreativen Ausguss, für mich selbst kaum zu kontrollieren. Ein Nervengift, wenn die Arbeit nicht ausreicht, diese unversiegbare Gier nach Veräußerung nicht befriedigt wird. Und trotzdem liegt es nicht in meiner Hand. Karmisch und dem Gesetz der Anziehung folgend müsste ich nur die richtige Haltung ausstrahlen, und immer an den Sieg glauben. Aber der Mensch ist nun mal Mensch, und zu dem gehören auch Zweifel. Zumindest scheint das in meiner Natur verankert zu sein. Ohne Zweifel bin ich, laut Aussage eines Freundes, "A bulldozer out of control on Broadway". Man mag es kaum glauben, aber das war tatsächlich liebevoll gemeint. Heißt, ich kann Berge versetzen. Nur leider nicht geplant. Wann diese Kraftschübe kommen ist kaum vorher absehbar, eine Sache, ein Vorhaben muss mich so mit Vorfreude und Glauben erfüllen, dass es kein Stoppen mehr gibt.
Dies alles ging mir durch den Kopf, während mich die Fallmanagerin freundlich kritisch beäugte. Ich lächle sie an und antworte mit einem Brustton der Überzeugung: "Gut, ich schätze die Chancen sehr gut ein, denn alles ist möglich."

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